Eindrücke von der Einweihung des Pinguins von Mohamed Smith

5. Mai 2026

Am 28.04.2026 wurde die Pinguin Bronze-Statue in Gedenken an die Opfer der Gezi-Park-Proteste (Taksim-Platz in Istambul 2013) feierlich auf dem Bürgermeister-Koschnick-Platz eingeweiht. Wir sind überglücklich, die Statue des Bremer Künstlers Mohamed Smith dauerhaft in Gröpelingen begrüßen zu dürfen. Wir möchten die Eindrücke von diesem Fest mit euch teilen. Wir ergänzen den Bericht nach und nach.

Fotos: Tim Lachmann

Beim Rundgang „Gewagte Gestalten: Ikonische Denkmäler“ führte Lutz Liffers Interessierte zum Thema Kunst im öffentlichen Raum vom Torhaus bis zum Pinguin auf dem Bürgermeister-Koschnick-Platz.

Kunst im öffentlichen Raum will zu uns sprechen und uns zum Denken anregen. Der Pinguinspaziergang hat neue Perspektiven eröffnet – auf Gröpelingen, auf Gewerkschaften, auf das Gedenken an die Opfer des NS-Terrorregimes und auf das Entstehen von Gemeinschaft. Kunstwerke verdanken ihre Bedeutung nicht allein ihrer ursprünglichen Intention, sondern auch der jeweils gegenwärtigen Betrachtung. Im Dialog mit der Gegenwart werden sie lebendig – und ermöglichen uns, aktiv zu erinnern und Zukunft bewusst zu gestalten. (Klara Pechtel, Kultur Vor Ort)

Die Bronzeplastik „Çapulcuk“ von Mohamed Smith ist ein absoluter Magnet für Kinder und Erwachsene – besonders an diesem Tag. Kleine gelbe Fähnchen mit einem Bild der Skulptur werden unter den Menschen verteilt.

Die Geschichtenhändlerin Julia Klein erzählt die Geschichte vom Geist des Bürgermeister Hans Koschnick und dem Auftauchen und Verschwinden der Pinguin-Skulptur in Gröpelingen.

Die Mutter starrte auf die Namen der Toten. Die Erkenntnis traf sie wie ein Blitz. Der Pinguin war nicht süß, er war politisch. (Julia Klein, aus der Erzählung „Hans Koschnick und sein Pinguin“)


Durch die Veranstaltung moderierte Christiane Gartner, Geschäftsführerin von Kultur Vor Ort. Es sprachen Ingo Wilhelms in Vertretung für die Ortamtsleiterin Cornelia Wiedemeyer vom Ortsamt West und die Staatsrätin Carmen Emigholz vom Senator für Kultur.

Das Asyl (für den Pinguin) auf dem Bürgermeister-Koschnick-Platz wurde nicht nur bereitwillig gewährt, sondern auch mit Bedacht entschieden. Inmitten des lebendigen Stadtteils Gröpelingen, der für seine Integrationsleistung und ein friedliches Miteinander bekannt ist. Die Richtigkeit der Entscheidung zeigte sich sofort: Gröpelinger:innen, unterschiedlicher Nationalitäten, Jung und Alt, begrüßten den Neubürger voller Freude. (…) Jetzt aber stehen wir endlich hier, um dem Pinguin an diesem Platz seine neue Heimat zu geben. Einem Pinguin, der uns daran erinnert, dass Dinge manchmal ein bisschen länger dauern dürfen. Dass nicht jede Hürde ein Hindernis ist – sondern manchmal einfach Teil des Weges. Und dass es sich lohnt, Lösungen zu finden, die mehr ermöglichen, statt weniger. Denn genau das erlebt man hier in Gröpelingen oft: Unterschiedliche Ideen, unterschiedliche Bedürfnisse – und am Ende ein Miteinander, das funktioniert. (Cornelia Wiedemeyer, Ortamtsleiterin West)

Diese Pinguin-Skulptur hat zunächst einmal insbesondere für Kinder einen hohen Stellenwert hier im öffentlichen Raum und erhöht damit die gesamte Aufenthaltsqualität des Platzes. Zugleich steht dieser Pinguin als politisches Symbol für Demokratie, Zivilcourage, gegen Autokratie und Unterdrückung. Werte, für die auch Hans Koschnick Zeit seines Lebens gekämpft hat. Ein tolles Symbol für einen tollen Stadtteil. (Carmen Emigholz)