Zu den 30 Stolpersteinen in Gröpelingen sind am Mittwoch, den 15.04.2026 fünf neue hinzugekommen. Im Stadtteil Walle wurden direkt im Anschluss zwei weitere verlegt. Schon am Tag zuvor wurden durch den Initiativkreis Stolpersteine Bremen 14 neue Stolpersteine in der östlichen Vorstadt verlegt.
Zu jeder Steinlegung waren im Vorfeld Anwohner:innen und Interessierte eingeladen, auch der Stadtteilkurier West wies auf die Aktion in Gröpelingen und Walle hin. So kamen neben den Mitgliedern des Initiativkreis in jeder Straße unterschiedliche Menschen zusammen, zu denen sich auch interessierte Passant:innen gesellten.

Zwei Mitarbeiter vom Bremer Bauhof entfernten für die Verlegung entweder Pflaster oder Gehwegplatten und sorgten umsichtig und liebevoll für die Platzierung der Stolpersteine.
Bei jedem Stolperstein wurden Hintergründe zu den Recherchen, zu den ermordeten Personen und zu den damit zusammenhängenden Umständen erläutert. Gemeinsam wurde der Opfer gedacht und wurden Blumen neben die Stolpersteine gelegt. Musikalisch begleitet wurde das Gedenken mit dem Akkordeon (Omas gegen Rechts).
Wir können wohl sagen, er und sein Bruder wollten keine Soldaten sein.
In der Togostraße 7 wurde Andreas Köhler (1903*) gedacht, der aufgrund von Desertion im Zuchthaus Brandenburg-Görden am 5.21.1944 ermordet wurde.

Meseitz-Obrawalde war eine Tötungsklinik.
Da es nach dem Krieg keine „Wiedergutmachung“ für Euthanasieopfer gab, lag lange keine Recherche-Material vor, um Ihrer zu gedenken. Inzwischen liegen die Krankenhausakten aus der „Heil- und Pflegeanstalt“ Meseritz-Obrawalde, in das nach den Bombenangriffen auf Bremen und den damit verbundenen Schäden an den Krankenhäusern am 9.12.1943 über 300 Menschen verlegt wurden, dem Klinikum Ost vor und ist die Recherche möglich. Die meisten der verlegten Patient:innen wurden in Meseritz-Obrawalde mit überdosierten Medikamenten ermordet oder verhungerten.
Vier dieser Euthanasie-Opfer haben nun Stolpersteine in Gröpelingen bekommen:
Karl Hasselbrink (1860*) aus der Johann-Kühn-Straße 13 (früher Dennewitzstraße 13), der hier mit seiner Frau zur Miete wohnte und als Maler arbeitete, bis er psychisch krank und arbeitslos wurde. Er und seine Frau, über deren weiteren Verbleib nichts bekannt ist kamen daraufhin in verschiedene Einrichtungen. Karl Hasselbrink wurde am 17.2.1944 in Meseritz-Obrawalde ermordet, angeblich sei er an „Altersschwäche“ gestorben.

Georg Brötzmann (1906*) aus Bihwerder 10, wo er zusammen mit seine Frau 1936 hinzog, nachdem er aufgrund psychischer Erkrankung bei Gütersloh in eine Anstalt eingewiesen wurde. Gegen seinen Willen wurde er dort zwangssterilisiert. Seine Anstellung in Bremen verlor er und wurde im selben Jahr eingewiesen und nach der Bombardierung Bremens 10.12.1943 in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde „verlegt“. Dort wurde er am 14.4.1944 ermordet.

Maria Waldemath (1904*) aus dem Schwarzer Weg 42, hatte eine schwierige Kindheit und Jugend. Die meisten ihrer Jahre in Bremen musste sie in Klinikum Ost verbringen. Nach der Bombardierung der Bremer Nervenklinik Ende November 1943 wurde Maria Waltemath am 9.12.1943 in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde „verlegt“. Dort wurde sie am 7.1.1944 ermordet. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt. Sie wurde 39 Jahre alt.

Louise Mornhinweg (1881*) verlor ihren Ehemann im ersten Weltkrieg. Es belastete sie schwer allein die Kinder zu erziehen. Nachdem ihr Mann gefallen war, suchte sie zunehmend Zuflucht im Alkohol. Da sie nach 1933 öfter wohnungslos war und hin und wieder bei einer ihrer Töchter im Halmerweg 130 wohnen konnte, wurde dieser Ort für die Stolperstein-Legung gewählt. Angehörige von Louise brachten ein gerahmtes Foto von ihr mit und sprachen eigene Gedenkworte.

Auf der Webseite www.stolpersteine-bremen.de findet ihr die ausführlichen Biografien der Betroffenen. Eine Suche kann nach Nachnamen und Stadtteil erfolgen.
Unser Dank gilt dem Initiativkreis Stolpersteine Bremen und allen Beteiligten. Der Initiativkreis sucht darüberhinaus nach Pat:innen, die die Steine regelmäßig reinigen und freut sich über eine Kontaktaufnahme: putzpaten@stolpersteine-bremen.de.
Auf der Webseite ist auch eine Anleitung zum Putzen der Stolpersteine als Download abrufbar: https://www.stolpersteine-bremen.de/download/Putzanleitung_STOLPERSTEINE.pdf

