Mit Fortuna, auf Inlinern und viel Engagement: Simon kennen wir aus dem Liegnitzquartier als freundlichen und aktiven Nachbarn. Wir wollten etwas mehr über ihn erfahren und haben ihn interviewt. Viel Spaß beim Lesen!
Kultur Vor Ort: Moin Simon. Wie kommt es, dass dein Rufname dein Nachname ist?
Simon: Nun, mein Vorname stand mir in meinem Leben schon immer im Weg. Er war zu kompliziert zu schreiben, als ich ein Kind war und das hatte leider Auswirkungen auf meinen schulischen Werdegang. Später fand ich ihn dann auch zu christlich.
Daher fand ich es gut, dass ich erst den Spitznamen Spike hatte, da ich gerne die Serie „Buffy & die Dämonen“ geschaut habe und auch blondierte Haare getragen hab wie der Spike aus der Serie.
Später hat mich mein Umfeld nach meinem Namen auf der Haustürklingel benannt und so wurde mein Nachname mein Rufname. Das hat mir gut gefallen und so ist es jetzt geblieben.
Kultur Vor Ort: Wohnst du schon immer in Gröpelingen?
Simon: Nee, ich bin in Düsseldorf aufgewachsen. Ich bin auch leidenschaftlicher Fortuna Düsseldorf-Fan, das ist mir geblieben (lacht). Meine Kindheit und Jugend dort waren allerdings nicht einfach. Ich wurde adoptiert, meine Adoptiveltern haben mir das allerdings erst im Alter von 21 Jahren mitgeteilt. Mein Vater war sehr streng und hatte Pläne für mein Leben, die einfach nicht zu mir passten. Also habe ich versucht, einen eigenen Weg zu gehen. Eine Ausbildung habe ich leider abgebrochen und auch sonst ist einiges schief gegangen. Ich bin süchtig geworden und irgendwann ging es so nicht weiter.
Mit 30 bin ich dann nach Hessen, um einen Neuanfang mit Therapie zu starten. Der Neuanfang ist mir zunächst gut gelungen, mit Job und Freundin, aber dann gab es nach ein paar Jahren auch dort Schicksalsschläge, die mich wieder zurückgeworfen haben.
Da ich in die Nähe meiner leiblichen Mutter ziehen wollte und ich gleichzeitig eine therapeutische Struktur für mich gesucht habe ist die Wahl auf Bremen gefallen. Seit gut zwei Jahren bin ich in Bremen, davon die meiste Zeit hier in Gröpelingen.
Was mich an Bremen anfangs sehr geschockt hat, ist der offene Drogenverkauf auf der Straße. Das gab es da, wo ich herkomme, nicht und ich kann mich nicht dran gewöhnen, wie vielleicht an andere Dinge.
Kultur Vor Ort: Du engagierst dich bei der Wilden Bühne Bremen?
Simon: Dass es die Wilde Bühne gibt, ist für mich richtig großartig. Ich bin über die therapeutische Hilfe mit der Wilden Bühne in Kontakt gekommen. Ich bin dort Übungsleiter und mache als Schauspieler interaktives Theater in Intervention.
Wir kooperieren mit Schulen, gehen in Klassen oder Klassen kommen zu uns. Wir führen Kurzstücke auf, die für die Personen, die darin vorkommen immer schlimm ausgehen. Es geht dann darum, mit den Schüler:innen rauszufinden, welcher Person aus dem Stück es am schlimmsten geht und was passieren kann, damit es der Person wieder besser gehen kann. Dazu können Schüler:innen das dann auf der Bühne durchspielen. Und danach gibt es eine gemeinsame Nachbesprechung, bei der wir uns mit unseren Biografien vorstellen und wir Fragen beantworten.
Die Wilde Bühne für mich zu einem großen Anker geworden und macht mir sehr viel Spaß. Beim aktuellen Stück „Aufstand fürs Leben“ spiele ich zum Beispiel einen Sozialarbeiter.
Kultur Vor Ort: Neulich hattest du die Polarlichter über Gröpelingen fotografiert und hast dafür einen größeren Spaziergang gemacht, um gute Fotos einzufangen. Bist du auch sonst gerne draußen unterwegs?
Simon: Ein Nachbar hat bei mir geklingelt und mich eingeladen, mit ihm einen Spaziergang zu machen, um die Polarlichter einzufangen, was nur mit guter Kamera geht. Die hatte er.
Erst waren wir auf dem Bürgermeister-Ehlers-Platz, aber du brauchst schon mehr Dunkelheit, um etwas zu erkennen. Also sind wir eine größere Runde gegangen und sind zu den Kleingärten, dem Maschinenfleet und Waller Feldmarksee gegangen. Das war toll.
Sonst bin ich von Herzen gerne mit Inlinern draußen unterwegs, das macht mir sehr viel Spaß. Auch vor ein paar Tagen bin ich trotz Schnee Inliner gefahren, was an den Hauptstraßen auf den geräumten Fahrradwegen noch ganz gut geht.
Kultur Vor Ort: 2025 warst du das erste Mal Gastgeber beim Erzählfestival Feuerspuren. Wie war das?
Simon: Das Festival finde ich richtig schön. Es war klasse, Gastgeber bei der Erzähljurte zu sein. Mit Darius, mit dem ich das zusammen gemacht habe und den ich da erst kennengelernt habe, hat alles super funktioniert mit dem Aufbau der Jurte, den Erzähler:innen und den Gästen. Das war eine schöne Erfahrung. Ich mochte die Geschichten auf Deutsch und Spanisch, gerade Spanisch gefällt mir als Sprache sehr gut.
Kultur Vor Ort: Du packst gerne mal auf Eigeninitiative mit an. So haben wir dich ja auch beim Treff kennengelernt und das Ganze lebt ja von eurer Initiative als Nachbar:innen.
Simon: Beim Treff im Liegnitzquartier helfe ich sehr gerne. Zum Beispiel mal einen Schrank aufbauen, etwas reparieren oder draußen mal Unkraut jäten. Es soll ja auch nach was aussehen (lacht). Im letzten Jahr habe ich auch schon beim Laternenumzug Lichter am Fluss in der Überseestadt mitgeholfen.
Regelmäßig öffne ich den Spielecontainer auf dem Liegnitzplatz, so dass die Kinder und Jugendlichen mit den Spielgeräten draußen spielen können. Der Spielecontainer öffnet an zwei Nachmittagen in der Woche, am Mittwoch und am Samstag, ich bin dann samstags da. Das Angebot gibt es allerdings erst dann, wenn es draußen wieder wärmer wird. Es wird wohl Zeit, dass es bald wieder Frühling wird (lacht).
Kultur Vor Ort: Oh, ja, hoffentlich lässt der nicht so lange auf sich warten. Lieber Simon, danke für das Gespräch und dein Engagement! Bis bald mal bei der Wilden Bühne oder hier vor Ort im Liegnitzquartier.

